Lage und Regionalklima

Historisches Rathaus Bocholt

Die Stadt Bocholt (Kreis Borken) liegt im westlichen Münsterland an der niederländischen Grenze und ist mit ca. 70 000 Einwohnerinnen und Einwohnern nach Münster und Rheine die drittgrößte Stadt des Münsterlandes und stellt ein regionales Mittelzentrum dar.

Naturräumliche Gliederung

Das Bocholter Stadtgebiet zählt noch vollständig zum Landschaftsraum Niederrheinisches Tiefland, befindet sich jedoch unmittelbar an der Grenze des mehr oder weniger fließenden Übergangsbereichs zur Westfälischen Bucht und damit sozusagen „zwischen Niederrhein und Münsterland“, sodass hier eine genauere landschaftliche Differenzierung vorgenommen werden muss.

Aasee Bocholt

Der westliche Teil des Stadtgebiets mit den Ortsteilen Mussum, Liedern, Suderwick und Spork gehört dem Naturraum Isselebene an. Hier ist es sehr flach mit Höhenlagen zwischen 15 m und 25 m über Meereshöhe. Weideland, Wiesen und einzelne Ackerflächen dominieren das Landschaftsbild, wobei teilweise erst Entwässerung die landwirtschaftliche Nutzbarkeit ermöglicht. Nach Osten hin schließt sich der Naturraum Niederrheinische Sandplatten an. Das Gelände steigt leicht von Höhenlagen um 25 m (Stadtmitte) bis nahe 50 m (in den Ortsteilen Barlo und Biemenhorst) an und geht über in die bekannte Münsterländer Parklandschaft, die aus einem Wechsel aus Ackerflächen, Wiesen, Hecken, kleineren Wäldern und verstreuten Höfen gekennzeichnet ist. Südöstlich von Bocholt beginnt der Naturpark Hohe Mark, der als Naherholungsgebiet bekannt ist.

Regionale Klimaverhältnisse

Das Klima des niederrheinischen Tieflands und der westfälischen Bucht ist aufgrund der geringen Höhenlage und der zum Meer nach Norden und Westen hin offenen, barrierefreien Landschaft ohne abschirmende, schützende Gebirgszüge im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland verhältnismäßig maritim geprägt. Der ausgleichende Einfluss des Atlantiks und der Nordsee prägt die Temperaturverhältnisse, denn mit den am häufigsten vorkommenden südwest- bis westlichen Winden werden häufig feuchte und wolkenreiche Luftmassen herangeführt, die die Witterung im Winter überwiegend mild und feucht und im Sommer mäßig warm gestalten. Der Unterschied zwischen der höchsten und niedrigsten Monatsmitteltemperatur beträgt nur 16,1 K (Helgoland: 14,6 K; Hamburg: 16,2 K; Berlin: 18,9 K; München: 19,1 K) – die Maritimität ist demnach ähnlich groß wie in Hamburg ausgeprägt.

Lufttemperatur

1961-1990Jan.Feb.MärzApr.MaiJuniJuliAug.Sept.Okt.Nov.Dez.Jahr
Mittelwert Bocholt-Liedern1,92,45,08,212,815,717,216,914,010,45,73,09,4
Mittelwert Bocholt (Stadt)2,12,75,48,713,316,317,817,514,410,75,93,29,8
1991-2020Jan.Feb.MärzApr.MaiJuniJuliAug.Sept.Okt.Nov.Dez.Jahr
Mittelwert Bocholt-Liedern3,03,56,310,013,916,618,718,114,710,76,63,710,5
Mittelwert Bocholt (Stadt)3,23,86,710,514,417,219,318,715,111,06,83,910,9
Langjährige Mittelwerte der Lufttemperatur (2 m) der Referenzperioden 1961-1990 und 1991-2020 an den Messstationen Bocholt-Liedern (Wasserwerk) und Bocholt (Stadt). Die Mittelwerte beruhen auf eigenen Berechnungen und weichen daher von den vom DWD hochgerechneten Mittelwerten ab.

Die Jahresmitteltemperatur im neuen 30-Jahres-Referenzzeitraum 1991-2020 beträgt für den füheren Standort der DWD-Klimastation Bocholt-Liedern (Wasserwerk) 10,5 °C, für den Standort Bocholt (Stadt) 10,9 °C. Im Vergleich zum vorherigen 30-Jahres-Referenzzeitraum 1961-1990, der vom Klimawandel noch weitgehend unbeeinflusst ist, ergibt sich ein Temperaturanstieg von 1,1 °C.

Die Winter im niederrheinischen Tiefland, etwa der Region ab Düsseldorf rheinabwärts, sind neben der Nordseeküste die mildesten von ganz Deutschland. Die Monatsmitteltemperatur im Januar liegt im 30-Jahres-Mittel 1991-2020 bei 3,0 °C [Bocholt (Stadt): 3,2 °C]. Bei Hochdrucklagen über der Nordsee treten häufig Inversionswetterlagen mit Hochnebel auf, bei Hochdruckeinfluss aus Osten erreicht kontinentale Kaltluft aufgrund der natürlichen Barriere der deutschen Mittelgebirge die Region nur in abgeschwächter Form. Strenger Frost unter -10 °C tritt im Mittel nur in jedem zweiten bis dritten Winter auf, Temperaturen unter -15 °C nur etwa einmal in zehn Jahren bei „Idealbedingungen“ (längere Kältephase mit Vorhandensein einer Schneedecke).

Die Sommer sind warm gemäßigt. Die Monatsmitteltemperatur im Juli liegt im neuen 30-Jahres-Mittel 1991-2020 bei 18,7 °C [Bocholt (Stadt): 19,3 °C]. Heiße Luftmassen aus dem mediterranen Raum erreichen die Region typischerweise von Südwesten. Durch die niedrige Höhenlage der Region treten Höchstwerte über 35 °C mittlerweile fast in jedem Sommer (ggf. mehrmals) auf und es sind durchaus sehr hohe Spitzenwerte möglich, wie z. B. im Juli 2019, als in der Region erstmals die 40-°C-Marke flächendeckend erreicht wurde. (Im Zeitraum 1961-1990 gab es insgesamt nur 4 sehr heiße Tage, im Zeitraum 1991-2020 bereits 26!) Im Vergleich zu anderen deutschen Landesteilen ist allerdings eine relative Unbeständigkeit der Sommerwitterung typisch, da von Norden und Westen her ungehindert kühlere maritime Luftmassen heranströmen können und die heißen Luftmassen oft recht schnell nach (Süd-)Osten verdrängen. Hitzewellen (Tage mit Höchstwerten von 30 °C und mehr) sind daher oft nur von kurzer Dauer, wobei in den letzten Jahrzehnten ein Anstieg der Häufigkeit feststellbar ist.

Lufttemperatur – Schwellenwerttage

1991-2020Jan.Feb.MärzApr.MaiJuniJuliAug.Sept.Okt.Nov.Dez.Jahr
Eistage (Tmax < 0 °C)3,11,90,2.......0,32,27,6
Frosttage (Tmin < 0 °C)12,211,27,32,60,1....1,14,410,749,5
Kalte Tage (Tmax < 10 °C)26,121,313,63,30,30,0..0,02,815,425,1108,0
Warme Tage (Tmax >= 20 °C)..0,75,813,119,525,425,712,72,70,1.105,6
Sommertage (Tmax >= 25 °C)...1,14,37,612,310,23,10,3..38,9
Heiße Tage (Tmax >= 30 °C)....0,41,43,62,90,4...8,6
Sehr heiße Tage (Max >= 35 °C).....0,10,40,3....0,9
Tropennächte (Tmin >= 20 °C).....0,41,40,7....2,5

Niederschlag

1991-2020Jan.Feb.MärzApr.MaiJuniJuliAug.Sep.Okt.Nov.Dez.Jahr
Summe Bocholt (Stadt)72,961,458,641,559,768,677,181,868,770,471,581,9814,0
DWD-Netz:
Summe Kleve
Summe Xanten
Summe Hamminkeln
Summe Borken
Summe Stadtlohn
Summe Ahaus

69,7
69,1
66,5
73,9
69,6
77,8

62,6
60,7
59,5
61,8
56,9
63,0

57,9
54,9
54,8
63,1
54,7
62,5

44,2
43,1
41,9
43,9
44,3
45,6

61,4
57,6
58,1
54,8
57,8
56,8

70,4
76,8
70,0
74,4
70,0
70,8

80,3
69,3
74,9
80,8
80,8
81,9

79,8
73,2
77,4
79,2
80,8
87,3

67,2
64,7
65,6
73,7
70,0
73,9

69,6
64,4
67,5
73,3
68,1
71,0

72,5
70,4
70,1
72,1
67,6
71,7

81,0
78,2
75,6
84,5
78,9
83,7

816,7
782,3
781,9
835,4
799,5
846,0
Langjährige Mittelwerte der Niederschlagshöhe der neuen Referenzperiode 1991-2020 am aktuellen Standort der Messstation Bocholt (Stadt) und an Umgebungsstationen (DWD-Niederschlagsnetz). Die Mittelwerte weichen von den vom DWD hochgerechneten Mittelwerten ab, da fehlende Messwerte ergänzt, offensichtlich falsche Messwerte korrigiert und lückenhafte Messreihen mit mehreren Standorten auf den jeweils aktuellen Stationsstandort homogenisiert wurden.

Die Jahresniederschlagssumme im neuen 30-Jahres-Mittel 1991-2020 beträgt am aktuelllen Standort der Station Bocholt (Stadt) 814,0 Millimeter (mm) bzw. Liter pro Quadratmeter (L/m²). Da das Geländes im Raum Bocholt von Westen nach Osten langsam ansteigt, geht damit auch eine tendenzielle Zunahme der Jahresniederschlagssummen einher. So ist für den Standort der DWD-Station Bocholt-Liedern (Wasserwerk) von einem etwas geringeren Wert auszugehen, während der Wert im nordöstlich der Kernstadt gelegenen Ortsteil Barlo noch etwas höher sein dürfte.

Bei der monatlichen Niederschlagsverteilung ist feststellbar, dass in allen Monaten im langjährigen Mittel ausreichende Niederschläge fallen. Der trockenste Monat stellt der April (41,5 mm) dar, die nassesten Monate August (81,8 mm) und Dezember (81,9 mm). Die Gründe hierfür sind: Im Frühjahr überwiegen oft hochdruckgeprägte, niederschlagsarme Witterungsphasen, während im Hochsommer Schauer- und Gewitterniederschläge in kurzer Zeit große Niederschlagssummen zu Stande bringen können. Im Winterhalbjahr ist oft Tiefdruckwetter witterungsbestimmend, wobei insbesondere im Dezember u. a. aufgrund der noch hohen Wassertemperaturen der Ozeane die meist größte Niederschlagsaktivität zu verzeichnen ist.

Niederschlag – Schwellenwerttage

1991-2020Jan.Feb.MärzApr.MaiJuniJuliAug.Sept.Okt.Nov.Dez.Jahr
Tage >= 0,1 mm18,716,516,012,214,014,015,015,415,316,619,020,6193,3
Tage >= 1,0 mm13,311,010,88,410,210,711,111,110,311,212,714,0134,8
Tage >= 5,0 mm5,14,44,12,93,94,55,25,24,54,84,85,654,8
Tage >= 10,0 mm1,61,41,40,91,62,02,42,41,92,01,92,121,7
Tage >= 20,0 mm0,30,20,20,00,20,40,60,70,50,30,40,54,2
Tage mit Schneedecke3,52,40,7.......0,42,79,7
Gewittertage0,40,60,71,53,24,44,84,51,10,70,30,422,7

Sonnenscheindauer

1991-2020Jan.Feb.MärzApr.MaiJuniJuliAug.Sep.Okt.Nov.Dez.Jahr
Summe Bocholt (Stadt)55,875,6127,0180,0211,5210,8217,1199,5152,9111,661,846,91650,6
Mittelwert pro Tag1,82,74,16,06,87,07,06,45,13,62,11,54,5
Langjährige Mittelwerte der Lufttemperatur (2 m) der Referenzperiode 1991-2020 an der Messstationen Bocholt (Stadt). Die Mittelwerte beruhen auf eigenen Berechnungen und weichen daher von den vom DWD hochgerechneten Mittelwerten ab.