Standort

Die Stadt Bocholt (Kreis Borken) liegt im westlichen Münsterland an der niederländischen Grenze und ist mit ca. 74 000 Einwohnern nach Münster und Rheine die drittgrößte Stadt des Münsterlandes und regionales Mittelzentrum.

Naturräumliche Gliederung

Das Bocholter Stadtgebiet zählt noch vollständig zum Landschaftsraum „Niederrheinisches Tiefland“, befindet sich jedoch unmittelbar an der Grenze des mehr oder weniger fließenden Übergangsbereichs zur „Westfälischen Bucht“ und damit sozusagen „zwischen Niederrhein und Münsterland“, sodass hier eine genauere landschaftliche Differenzierung vorgenommen werden muss.

Der westliche Teil des Stadtgebiets mit den Ortsteilen Mussum, Liedern, Suderwick und Spork gehört dem Naturraum „Isselebene“ an. Hier ist es sehr flach mit Höhenlagen zwischen 15 m und 25 m über Meereshöhe. Weideland, Wiesen und einzelne Ackerflächen dominieren das Landschaftsbild, wobei teilweise erst Entwässerung die landwirtschaftliche Nutzbarkeit ermöglicht. Nach Osten hin schließt sich der Naturraum „Niederrheinische Sandplatten“ an. Das Gelände steigt leicht von Höhenlagen um 25 m (Stadtmitte) bis nahe 50 m (Erhebungen in den Ortsteilen Barlo und Biemenhorst) an und geht über in die bekannte „Münsterländer Parklandschaft“, die von einem abwechslungsreichen Mix aus Ackerflächen, Wiesen, Hecken, kleineren Wäldern und verstreuten Höfen gekennzeichnet ist. Südöstlich von Bocholt beginnt der Naturpark „Hohe Mark“, der als Naherholungsgebiet und Ferienregion bekannt ist.

Stationsstandort

Die private Wetterstation befindet sich seit ihrer Gründung im Jahr 2004 innerhalb des geschlossen bebauten Bocholter Stadtgebiets.

Vom 1. August 2004 bis 20. Mai 2020 befand sich die Station in einer Gartenanlage einer Einfamilienhaus-Wohnsiedlung an der Kurfürstenstraße im Westnordwesten des geschlossenen Stadtgebiets in der Siedlung „Löverick“, ca. 1,75 km vom Stadtzentrum (Marktplatz) entfernt, auf 24 m Höhe über Normalhöhennull.

Seit 21. Mai 2020 befindet sich die Station auf einer ca. 250 m² großen Rasenfläche einer Einfamilienhaus-Wohnsiedlung am Barloer Weg in der Nähe des Krankenhauses im Nordosten des geschlossenen Stadtgebiets, ebenfalls ca. 1,8 km vom Stadtzentrum (Marktplatz) entfernt, unmittelbar an der Grenze zum Stadtteil Stenern, auf 32 m Höhe über Normalhöhennull.

Mikroklimatische Besonderheiten

Aufgrund der städtischen Lage der Messstation machen sich insbesondere bei der Lufttemperatur Unterschiede gegenüber dem weitgehend unbebauten und landwirtschaftlich genutzten Umland bemerkbar („Stadtklima“). In den über 15 Jahre geführten Messungen konnten sich folgende Erkenntnisse gewinnen lassen:

  • Bei strahlungsarmen oder durchmischungsreichen Wetterlagen, z. B. bei überwiegend bedecktem Himmel oder ganztägig mäßigem bis starkem Wind, sind die Temperaturdifferenzen zwischen Stadt und Umland vernachlässigbar gering sind (0 bis <0,5 Grad).
  • Bei strahlungsintensiven Hochdruckwetterlagen liegen die Abend-, Nacht- und Frühtemperaturen an der Bocholter Stadtklimastation ca. 1 bis 3 Grad, teilweise 3 bis 4 Grad über den Werten des unbebauten ländlichen Umlandes. Die größten Temperaturunterschiede treten dabei in der ersten Nachthälfte auf, bis zum Morgen werden die Unterschiede meist wieder etwas geringer. Das frühmorgendliche Temperaturminimum an der Bocholter Stadtklimastation liegt bei andauernder strahlungsintensiver Hochdruckwetterlage im Sommerhalbjahr im Durchschnitt ca. 1,5-2,0 Grad über dem Umland. Dieser Stadtklimaeffekt ist auf die erhöhte Wärmeabstrahlung und das geringere Kaltluftbildungspotenzial der zahlreichen versiegelten Flächen zurückzuführen.
  • An exponierten Standorten im ländlichen Umland, wie z. B. Wiesenflächen in Mulden und Senken, in denen sich bodennahe Kaltluft optimal ansammeln kann, wurden bei besonders ausstrahlungsgeprägten Wetterlagen, wie z. B. bei lokaler Kaltluftproduktion über frisch gefallener Schneedecke ohne Durchmischung infolge von Windstille, ca. 4 Grad niedrigere Werte als an der Bocholter Stadtklimastation gemessen.
  • Die Temperaturen während des Tages liegen an der Bocholter Stadtklimastation auch bei strahlungsintensiven und windschwachen Wetterlagen nur wenig (i. d. R. <0,5 Grad, nur vereinzelt 0,5-1,0 Grad) über denen des Umlandes. Die Unterschiede tagsüber sind auf bodennahe Überhitzung wegen geringerer Durchlüftung aufgrund der vertikalen Bebauung zurückzuführen.
  • Die Monatsmitteltemperaturen liegen an der Stadtklimastation im langjährigen Durchschnitt 0,2 K (Dezember/Januar) bis 0,7 K (Juli/August) über der früheren Umland-Messstation Bocholt-Liedern. Bei der Jahresmitteltemperatur beträgt der Unterschied im langjährigen Mittel ca. 0,5 K.

Für die seit 1945 geführte Bocholter Klimareihe mit zeitweiser Messung im Umland (am Wasserwerk in Bocholt-Liedern) und in der Stadt (Marienschule und aktueller Standort) hat es ergeben, dass das mittlere Tagesmaximum keiner Homogenisierung bedarf, während das mittlere Tagesminimum in der Stadt je nach Monat um 0,5 Grad bis 1,5 Grad höher liegt.