Regionale Klimaverhältnisse

Das Klima des Niederrheinischen Tieflands und der Westfälischen Bucht ist aufgrund der geringen Höhenlage und der zum Meer nach Westen und Nordwesten hin offenen, barrierefreien Landschaft ohne abschirmende, schützende Gebirgszüge verhältnismäßig maritim geprägt. Der ausgleichende Einfluss des Atlantiks und der Nordsee ist in allen Jahreszeiten spürbar. Mit den am häufigsten vorkommenden südwest- bis westlichen Winden werden ozeanische, feuchte und wolkenreiche Luftmassen herangeführt, die die Witterung im Winter mild und im Sommer mäßig warm gestalten.

Alle im Folgenden angegebenen langjährigen Mittelwerte beziehen sich – wenn nicht anders angegeben – auf die aktuell gebräuchliche klimatologische Referenzperiode 1981-2010.

Lufttemperatur

Die Jahresmitteltemperatur beträgt für den Standort Bocholt-Liedern (Wasserwerk) 10,1 °C, für den Standort Bocholt (Stadt) 10,5 °C.

Die Winter im Niederrheinischen Tiefland sind neben der unmittelbaren Nordseeküste und den Ostfriesischen Inseln die mildesten von ganz Deutschland, wenn man von den Ballungsräumen am Rhein von Köln/Bonn bis nach Duisburg absieht. Die Monatsmitteltemperatur im Januar beträgt 2,6 °C [Bocholt (Stadt): 2,8 °C]. Bei Hochdrucklagen über der Nordsee treten häufig Inversionswetterlagen mit Hochnebel auf, bei Hochdruckeinfluss aus Osten erreicht kontinentale Kaltluft aufgrund der natürlichen Barriere der deutschen Mittelgebirge die Region nur in abgeschwächter Form. Strenger Frost unter -10 °C ist daher vergleichsweise selten. Temperaturen unter -15 °C sind nur bei Vorhandensein einer Schneedecke möglich.

Im langjährigen Mittel gibt es ca. 116 kalte Tage (Tageshöchsttemperatur unter 10 °C), ca. 52 Frosttage und ca. 10 Eistage (Dauerfrosttage).

Die Sommer sind warm gemäßigt. Die Monatsmitteltemperatur im Juli liegt bei 18,3 °C [Bocholt (Stadt): 18,9 °C]. Eine relative Unbeständigkeit der Sommerwitterung ist typisch, da kühlere Luftmassen von Nordwesten her ungehindert heranströmen können. Hitzewellen sind daher meist nur von kurzer Dauer und sehr heiße Tage mit über 35 °C treten nur selten auf. Bei süd- bis südwestlicher Anströmungsrichtung fließen bisweilen recht feuchte Luftmassen heran, die Schwüle mit Taupunkttemperaturen über 20 °C und Gewitter verursachen können. Häufig sind ebenfalls West- oder Nordwestlagen, bei denen sich kräftige Regenschauer und Gewitter bilden.

Im langjährigen Mittel gibt es ca. 96 warme Tage (Tageshöchsttemperatur mindestens 20 °C), ca. 34 Sommertage (mindestens 25 °C), 6 bis 7 heiße Tage (mindestens 30 °C) und ca. 22 Gewittertage (Tage mit hörbarem Donner).

Niederschlag

Die Jahresniederschlagssumme beträgt in Bocholt (Stadt) ca. 812 Millimeter (mm) bzw. Liter pro Quadratmeter (L/m²). Mit dem Anstieg des Geländes von Westen nach Osten geht auch eine Zunahme der Jahresniederschlagssummen einher: So liegen die Jahressummen im Westen des Stadtgebiets (Ortsteile Suderwick und Liedern) bei rund 780 L/m², während im Nordosten (Ortsteil Barlo) von 830 bis 840 L/m² ausgegangen werden muss.

In allen Monaten fallen im Mittel ausreichende Niederschläge. Monatliche Niederschlagsmaxima finden sich in den drei Sommermonaten sowie im Spätherbst (November und Dezember) mit 72-75 L/m², ein Niederschlagsminimum im April mit 43 L/m². Nach der deutschen Niederschlagsklassifikation entspricht die Region damit einer Mischform aus dem im norddeutschen Tiefland vorzufindenden Sommerniederschlagstyp (Maximum im Hochsommer) und den an der Nordseeküste vorzufindenden Meerestyp (Maximum im Spätherbst).

Zur Ausbildung einer geschlossenen Schneedecke kommt es vergleichsweise selten. Im langjährigen Mittel gibt es lediglich 12 Tage mit einer geschlossenen oder durchbrochenen Schneedecke (Schneebedeckungsgrad >0,5).

Klimadiagramm_1981_2010_BOH_Stadt